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Leslie Runde
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Film [Action, Heist-Movie]

Reservoir Dogs

Geldscheine und Münzen mit Aufschrift Reservoir Dogs

Netflix
Action, Heist-Movie

Quentin Tarantino ist mittlerweile einer der bekanntesten Regisseure der Welt. Mit seinen Blockbustern füllt er regelmäßig die Kinos, und seine Art, Geschichten auf die Leinwand zu bringen, hat ganze Generationen von Filmemachern geprägt. Aber auch der Meister des Action-Kinos hat irgendwann einmal klein angefangen: Netflix gibt uns die Chance, diese Anfänge nachzuverfolgen.

Ein Klassiker in unauffälligem Gewand

Reservoir Dogs ist der Film, der gerne als "Core-Tarantino" bezeichnet wird: er ist sozusagen die Geburt des Tarantino-Genres. Denn hier, im Jahr 1992, lässt der Regisseur es sich zum ersten Mal nicht nehmen, sein Drehbuch völlig allein und komplett nach seinen Vorstellungen zu verfilmen. Dafür macht er zwar Abstriche in Sachen Budget, aber keineswegs in der Qualität. Anstatt bombastischer Effekte und hochkarätiger Drehorte erwarten uns eindringliche Dialog-Szenen in einer verlassenen Lagerhalle. Anders, als im klassischen "Heist-Movie" geht es hier nicht um die Planung und Durchführung eines Überfalls. Stattdessen dokumentiert der Film vor allem die drastischen Stunden, die die Verbrecher unmittelbar nach ihrem Bankraub durchleben. Die Charaktere kennen sich nur unter Decknamen: Mr. Orange, Mr. Pink oder Mr. Blonde, und zwischen Stress und Angst wächst bald das gegenseitige Misstrauen in der Bande.

Blutig, Brutal und Stylisch

Tatsächlich findet sich alles in dem 90-minütigen Streifen, was später einmal Tarantinos Markenzeichen werden soll: übertriebene Gewalt in schockierenden Bildern, verpackt in unheimlich elegante und intelligente Dialoge. Der Regisseur beweist sein Talent für Storytelling und schafft ein intensives Charakterdrama, das von der ersten bis zur letzten Sekunde fesselt. Hier ist tatsächlich keine Spur von Effekthascherei oder großen, teuren Bildern - und was bleibt, das fühlt sich rau, packend und einnehmend an. Uns begegnen viele bekannte Gesichter: Tim Roth, Harvey Keitel und Michael Madsen haben hier ihren ersten, nicht aber ihren letzten Auftritt in Tarantinos Film-Universum. Zwar muss man - wie auch bei einigen späteren Teilen - über die latente Unterbesetzung von weiblichen Rollen hinwegsehen (Reservoir Dogs ist ein Kammerspiel auf Testosteron-Basis), aber am Ende bleibt dennoch nichts als Faszination für die Leichtigkeit, mit der der Regisseur seine Protagonisten gegeneinander aufhetzt und ausspielt.

Fazit:  4/5 Trinkgeld-Dollar. Wer ein Herz für Tarantino hat, wird von diesem stylischen Gangstermovie auf keinen Fall enttäuscht. Für alle anderen ist Reservoir Dogs die perfekte Tarantino-Einstiegsdroge.


Unsere Serien- und Film-Expertin

Hannah Schürkamp (22) - Film-Enthusiastin & Studentin (Geschichte, Englisch)

Hannah Schürkamp sitzt auf einem Sofa und schaut zur Seite
Foto: Sebastian Schütte

Nach zwei Semestern Medien-Studium habe ich mich schlussendlich dagegen entschieden, beruflich am Set zu arbeiten - meine Begeisterung für Filme und Serien hat dadurch jedoch nicht abgenommen. Egal welches Genre, ob Streaming, Kino oder DVD, Hollywood-Klassiker oder Low Budget-Produktion: sowohl gute als auch weniger gute Filme schaue und diskutiere ich unvoreingenommen und mit viel Liebe für die Sache.

Über Anregungen und Kommentare freue ich mich!