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Snapchat in der Krise – die Überflieger-App will sich neu erfinden

App Snapchat ist auf dem Smartphone-Display geöffnet

Es war einmal eine App, an der kam 2016 kein Social Media Interessierter vorbei: Snapchat. „Wer nicht snapt, ist out“ titelte die Berliner Zeitung beispielsweise am 1. Mai 2016. Die Nutzerzahlen stiegen stetig, ein milliardenschwerer Börsengang wurde geplant und genüsslich wurde die Geschichte erzählt, dass Facebook schon zweimal bei den Snapchat-Erfindern mit Übernahmeangeboten abgeblitzt war.

Doch aus dem „Happy Snapping“, wie es letztes Jahr noch auf der Internet-Konferenz re:publica hieß, ist inzwischen eher ein „Sad Snapping“ geworden. Letzte Woche stürzte die Snapchat-Aktie ab (der letztes Jahr geplante Börsengang erfolgte im März), denn die Anleger waren von den Zahlen des dritten Quartals enttäuscht. So verdreifachte sich der Verlust innerhalb nur eines Jahres auf fast 450 Millionen Dollar und die Nutzerzahlen wachsen nur noch langsamer als erhofft.

Mit einem radikalen und gleichzeitig dem größten Relaunch in der erst sieben-jährigen Geschichte der App soll nun eine Trendwende eingeläutet werden:

Snapchat für Erwachsene

Der Grund sowohl für die jetzigen Probleme als auch den bisherigen Erfolg der App: Snapchat wollte immer anders sein. Konkret heißt das flüchtige und sich selbstzerstörende Bilder statt Archivfunktionen, Videos und Bilder im Hochformat statt wie gewohnt im Querformat, ein chronologischer Aufbau der Themen statt Vorsortierung durch einen Algorithmus. Wer neu kommt, versteht allerdings auf Anhieb nichts davon. Doch diese Zeiten scheinen vorbei.

Denn Snapchat braucht unbedingt mehr, möglichst ältere Nutzer. „Deshalb designen wir die App gerade um, um sie einfacher nutzbar zu machen,“ verkündete Mitgründer und Chef der Betreiberfirma „Snap“ Evan Spiegel vergangene Woche. Offensichtlich plant er dabei auch sehr kurzfristig. Nach Informationen der Nachrichten-Internetseite Business Insider soll das neue Design schon am 4. Dezember an den Start gehen.

Snapchat auf Facebooks Spuren

Facebook hat nach den gescheiterten Übernahmeplänen von Snapchat auf seine eigene Weise reagiert. In den letzten zwölf Monaten hat die Social Media Plattform zahlreiche Snapchat-Funktionen einfach kopiert und in ihre eigenen Apps integriert. Das Prinzip der Snapchat-Stories, die Gesichtsfilter, Live-Videos oder die selbstzerstörenden Nachrichten – all diese Funktionen gibt es inzwischen auch bei Facebook selbst oder den Facebook-Ablegern Instagram und WhatsApp. Die Nutzerzahlen sind hier in den letzten Monaten immens gewachsen.

Jetzt dreht Snapchat den Spieß um und kopiert bei Facebook. In Zukunft will die App die Inhalte auch personalisiert ausspielen, sprich ein Algorithmus entscheidet, was welcher Snapchat-Nutzer zu sehen bekommt. „Wir entwickeln eine neue Lösung, die jedem unserer 178 Millionen aktiven täglichen Nutzern eine eigene Stories-Erfahrung bietet. (...) Wir hoffen, dass die richtigen Geschichten dem richtigen Publikum gezeigt werden, um das Engagement und die Monetarisierung für unsere Partner und Snapchat zu steigern,“ erklärte Spiegel bei techcrunch unverhohlen zu den Zielen.

Privates links, Promis und News rechts

Um aktiv mit Freunden und Bekannten zu chatten, braucht es einen Wisch nach rechts; wer hingegen die freigegebenen Stories von Freunden und Bekannten sehen, der wischt nach links. Diese Funktionsaufteilung soll es in Zukunft wohl nicht mehr geben. Nach Informationen von „Business Insider“ will Spiegel bei Snapchat mit dem kommenden Relaunch Privates von Öffentlichem trennen. Die gesamte Freunde-basierte Kommunikation soll dann mit einem Wisch nach rechts erreicht werden. „Out Stories“, der Discover-Bereich und Geschichten von Prominenten werden hingegen in den Bereich „rechts vom Startbildschirm“ zusammengefasst.

Zusätzlich sollen auch mehr interessante Inhalte auf Snapchat zu finden sein. Dafür ist geplant, Content-Lieferanten leichter zu ermöglichen, mit ihren Inhalten Geld zu verdienen. Wie das genau funktionieren soll, ist bislang aber noch nicht bekannt. Ebenso ist unklar, ob alle diese Änderungen direkt schon ab dem 4. Dezember zu sehen sein werden, oder ob sie sukzessive umgesetzt werden. Recht klar hingegen scheint zu sein, dass die Änderungen zunächst nur Android Nutzer betreffen werden.

Spannende Zeiten also bei Snapchat...


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