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Landschaft

Die ganze Welt „herausfordern“ – Spaßige und teils lebensgefährliche Challenges fluten das Netz

Landschaft

Sich irgendwo stocksteif hinlegen, ein Foto machen und der Welt im Netz zeigen. Klingt langweilig, ist es aber nicht. Denn wenn Du Dich dafür zum Beispiel auf das Geländer einer Autobahnbrücke oder auf das Dach eines Polizeiwagens legst, dann wird das Foto spektakulär und es hat bessere Chancen im Internet Massen von Menschen zu interessieren. Planking hieß 2009 dieser Wettstreit und gilt als einer der ersten Challenges und hat damit einen Hype im Netz begründet. Das Prinzip – etwas mehr oder minder Anstrengendes, Kurioses oder Gefährliches machen, das fotografieren oder filmen und anschließend ins Netz stellen.

So können Menschen mit anderen Menschen konkurrieren bzw. in der Netzcommunity einen Moment Aufmerksamkeit generieren. Unzählige Videos solcher Challenges fluten seither das Netz: Viele von uns kennen zum Beispiel die Mannequin Challenge (eine möglichst große Gruppe von Menschen friert mitten in der Bewegung ein), die Bottle-Flip-Challenge (eine halbvolle Plastik-Wasserflasche wird so geworfen, dass sie einen Salto macht und auf einem Tisch o.ä. stehen bleibt) oder die IceBucket-Challenge (Menschen gießen sich eiskaltes Wasser über den Kopf). Aktuell sind gleich zwei Challenges im Netz unterwegs – einmal spielt dabei eine Augenbinde eine Rolle, das andere Mal geht es um zwei Fotos...

Zwei Bilder – eine Geschichte

Madonna hat es gemacht, Daniela Katzenberger und die Nachrichtensprecher der Tagesschau auch: Sie alle sind – wie viele andere Promis und Nicht-Promis – beim neusten Internet-Hype, der „10-Year(s)-Challenge“ mit dabei. Die rockt gerade das Netz und allein bei Instagram gibt es schon über drei Millionen Fotos. Das Prinzip ist simpel: Du nimmst ein Bild aus dem Jahr 2009 und ein Foto aus 2019, kreierst daraus eine Fotomontage, eventuell noch ergänzt mit einer Textzeile, wie Du Dich aus eigener Sicht entwickelt hast und lädst das Ergebnis zum Beispiel bei Instagram mit dem Hashtag #10year(s)challenge (oder auch #2009vs.2019) hoch.

Für die einen ist der Hype einfach nur ein Spaß, für die anderen ist es eine Möglichkeit, der Welt ein Stück Lebensgeschichte zu zeigen. Ein beeindruckendes und zugleich auch rührendes Beispiel – Samuel Koch: Der junge Mann wurde durch seinen missglückten Sprung über ein Auto bei „Wetten dass...“ bekannt. Für die „10-Years-Challenge“ zeigt er sich gesund stehend und nach dem Unfall im Rollstuhl sitzend.

10-Year(s)-Challenge

Es müssen nicht immer Selfies sein

Die „10-Years-Challenge“ wird zunehmend auch zum Platz für kritische Fotos genutzt. Viele Social-Media-Nutzer machen mit den zwei Fotos auf die Veränderungen durch den Klimawandel aufmerksam. So zeigt Heidi Klum, wie aus einem Eisberg ein Eishäufchen geworden ist, bei Twitter postet CosmosUp mit dem Logo von World Wildlife Fund, wie ein Wald verschwindet und auf Facebook werden die Bilder zweier Eisbären gegeneinander gestellt – einmal ein gesunder, ausgewachsener und einmal ein ausgemergelter Eisbär.

Hat Facebook die Challenge angezettelt?

Die Redakteurin Kate O’Neill der Zeitschrift „Wired“ fragt in einem Online-Artikel, ob die „10-Years-Challenge“ wirklich nur ein Spaß ist. Sie stellt die Vermutung auf, dass Facebook diesen Hype gestartet hätte, um seine eigene Software für Gesichtserkennung zu trainieren. Facebook hat diesem Vorwurf inzwischen aber schon widersprochen. Auf Twitter schrieb der Konzern: „Die Challenge ist ein von den Nutzern erstelltes Meme, das ohne unsere Beteiligung gestartet ist. Es beweist einfach, wie viel Spaß die Menschen auf Facebook haben.“

Klar ist aber auch, wenn wir unsere Bilder auf Facebook posten, unterliegen wir den Nutzungsbedingungen der Plattform – eine Übersicht zu den zum Teil auch offenen Rechtsfragen finden wir unter anderem auf der Seite „Deutsche Anwaltsauskunft“.

Gefährlicher Hype: Am Anfang war ...  

...eine Serie: „Bird Box – Schließe deine Augen“ ist am 3. Januar bei Netflix gestartet. Diese Serie ist schnell zum Ausgangspunkt einer zweiten Challenge geworden, die nun seit einigen Wochen das Netz mit seltsamen „Mutproben“ flutet.

Der Grund: Im Film treiben mysteriöse Kreaturen die Menschen in den Selbstmord. Der einzige Schutz – die Menschen verbinden sich die Augen, und so ist Hauptdarstellerin Sandra Bullock im ganzen Film mit ihren beiden Kindern und Augenbinde unterwegs.

Unter dem Hashtag #BirdBoxChallenge verbinden sich Menschen die Augen auch in der realen Welt und lösen so Aufgaben. Die Videos dieser „Mutproben“ verbreiteten sich rasend schnell im Netz. Die harmlosen Varianten dabei: Essen, Computer spielen oder eine Rolltreppe fahren, zwei der idiotischen Varianten – ein Tattoo mit Augenbinde stechen oder Auto fahren.

Erst eine Warnung und jetzt ein Verbot 

Schon Anfang des Jahres hatte Netflix selbst vor solchen Mutproben gewarnt. Auf dem amerikanischen Twitter-Account hieß es: „Ich kann es nicht glauben, dass ich das sagen muss: Bitte verletzt Euch nicht bei dieser BirdBoxChallenge.“

Jetzt hat auch die Videoplattform YouTube reagiert. Sie verschärfte ihre Richtlinien und verbietet ab sofort die Veröffentlichung solcher Videos: „Herausforderungen, bei denen ein Todesrisiko besteht, sind auf YouTube verboten. Inhalte, bei denen ein Kind an gefährlichen Herausforderungen teilnimmt, die ein unmittelbares Verletzungsrisiko darstellen, sind ebenfalls verboten.“ Videos, die gegen diese Regelungen verstoßen, sollen direkt von YouTube entfernt werden.  

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Eine Person die eine Computertastertur mit Maus bedient

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