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Monika Olszewski
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Nächster Etappensieg für Ewan - Greipel wieder klar geschlag

Bei den Sprintetappen der Tour de France haben die Deutschen diesmal nichts zu melden. Routinier Greipel ist chancenlos.

106. Tour de France

Nimes (dpa) - Überglücklich feierte Roger Kluge mit Töchterchen Jenna auf dem Arm den nächsten Tour-de-France-Coup seines Teamkollegen Caleb Ewan. Dessen Vorgänger André Greipel war indes nach der 16. Etappe restlos bedient, schmiss in der Gluthitze von Nimes die Wasserflasche zu Boden und drehte zum Abreagieren eine kleine Extrarunde.

«Wir sind alle super reingestartet. Wir haben die eine Chance genutzt. Jetzt müssen wir ein paar Tage leiden, dann in Paris hoffentlich nochmal», sagte Kluge nach Ewans zweitem Tagessieg, der beim gemeinsamen Lotto-Soudal-Team zu einem kleinen Familienfest wurde, weil auch Ewans Tochter aus Australien zu Gast war.

Deutschlands Tour-Hoffnung Emanuel Buchmann rollte am Dienstag mit dem Peloton ins Ziel, im Gegensatz zu Vorjahressieger Geraint Thomas und Jakob Fuglsang konnte er in der sengenden Hitze Südfrankreichs gefährliche Situationen meiden. «Bei solchen Sprintetappen bin ich schon immer froh, wenn ich sturzfrei durchkomme. Bei den Stürzen war ich immer nah dabei, aber hatte immer Glück», sagte der Gesamtsechste Buchmann, dessen große Aufgaben ab Donnerstag bei drei schweren Etappen in den Alpen warten. Thomas kam mit Schrammen davon, der dänische Mitfavorit Fuglsang musste das Rennen sogar aufgeben.

Im Fest der stärksten Sprinter setzte sich Ewan nach 177 zehrenden Kilometern vor Elia Viviani aus Italien und dem Niederländer Dylan Groenewegen durch. «Ich habe so gelitten bei dieser Hitze, aber meine Frau und meine Tochter waren extra Motivation», erklärte der siegreiche Ewan. Grün-Träger Peter Sagan vom deutschen Team Bora-hansgrohe musste sich ein weiteres Mal geschlagen geben, für den Slowaken reichte es diesmal zum vierten Platz.

Der deutsche Sprinter Greipel ist dem Ziel Paris zwar wieder ein Stück näher gekommen, mit dem erträumten Etappensieg dürfte es nach einem weiteren enttäuschenden 15. Platz aber nicht mehr klappen. Im Außenseiter-Team Arkéa-Samsic ist der «Gorilla», wie der 37 Jahre alte Radprofi genannt wird, auf sich alleine gestellt. Nach zweieinhalb Wochen Tour hat es der Gewinner von elf Etappen diesmal noch nicht ein einziges Mal unter die besten Zehn geschafft.

Beim letzten flachen Profil vor dem Finale in Paris am kommenden Sonntag war eine Massenankunft erwartet worden. Die Sprinterteams sorgten trotz Temperaturen von bis zu 40 Grad im Süden Frankreichs den kompletten Tag für das Tempo und stellten letztlich zweieinhalb Kilometer vor dem Ziel eine fünfköpfige Ausreißergruppe, der auch der 39 Jahre alte Routinier Lars Ytting Bak angehörte.

Im Gelben Trikot fährt weiterhin Frankreichs Liebling Julian Alaphilippe, der mit beherzten Attacken einen Vorsprung herausfuhr und neuerdings auch beim Zeitfahren und im Hochgebirge glänzt. Kann sich der eigentlich als Klassiker-Spezialist bekannte Alaphilippe auch in den Alpen an der Spitze halten, wäre er der erste französische Tour-Sieger seit Bernard Hinault 1985.

Und auch Deutschland mischt im Kampf um den Tour-Sieg erstmals seit 2006 wieder voll mit. Emanuel Buchmann vom Bora-hansgrohe-Team liegt vor dem finalen Showdown in den Alpen auf dem sechsten Rang mit lediglich 2:14 Minuten Rückstand auf Alaphilippe. «Es schadet nicht, wenn man ein bisschen unter dem Radar fährt», sagte der bescheidene Buchmann auch nach seinen beeindruckenden Auftritten am Tourmalet und in Foix Prat d`Albis in den Pyrenäen.

Auch im Tour-Umfeld wird der 26 Jahre alte Ravensburger immer mehr wahrgenommen. Für den bisher einzigen deutschen Tour-Sieger Jan Ullrich hat Buchmann «das Zeug zu einem echten Champion», auch Tour-Direktor Christian Prudhomme lobte den Deutschen in der ARD: «Es ist schon lange her, dass man einen Deutschen von dieser Qualität gesehen hat im Kampf um das Gesamtklassement.»