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Wellbrock über 800 Meter raus - «Ein bisschen verzweifelt»

Florian Wellbrock zählte bei der Schwimm-WM über 800 Meter Freistil zu den Medaillenkandidaten. Sein Vorlauf-Aus sorgt für große Ernüchterung.

Schwimm-WM in Gwangju

Gwangju (dpa) - Geschockt und ratlos wollte Florian Wellbrock einfach nur weg: Nach seinem überraschend klaren Vorlauf-Aus über 800 Meter Freistil packte Deutschlands größte Gold-Hoffnung im WM-Becken direkt seine Sachen und verzog sich zum Ausschwimmen.

Öffentlich reden wollte der Zehn-Kilometer-Weltmeister über die riesengroße Enttäuschung und Platz 17. nicht. Der Frust saß tief. «Er ist natürlich gar nicht glücklich mit dem Ergebnis und auch ein bisschen verzweifelt, weil er nicht weiß warum», beschrieb Teamchef Bernd Berkhahn den Gemütszustand seines Top-Schwimmers. Wellbrock blieb in Südkorea in 7:53,75 Minuten mehr als zehn Sekunden über seiner persönlichen Bestzeit. Für das Finale fehlten dem Weltranglistenzweiten über fünf Sekunden.

«Ich bin überhaupt nicht ins Rennen reingekommen. Und ich kann es mir zurzeit auch nicht erklären, eigentlich hatte ich mich ganz gut gefühlt», lautete das rund eine Stunden nach dem Rennen ein vom Deutschen Schwimm-Verband (DSV) verbreitetes Statement Wellbrocks.

Das frühe Ende der Medaillenträume des Mitfavoriten auf der 800-Meter-Strecke war trotz starker Konkurrenz absolut nicht abzusehen gewesen. Im Freiwasser hatte Wellbrock in der ersten WM-Woche Gold über zehn Kilometer gewonnen und sich souverän das Olympia-Ticket gesichert. Die Erwartungshaltung an den EM-Zweiten war vor dem 800-Meter-Rennen entsprechend hoch gewesen.

«Das ist nicht so einfach, das alles auf die Reihe zu bekommen und dann hier gleich wieder zu glänzen», sagte Berkhahn. Das Training sei gut gelaufen, mentale Faktoren könnten eine Rolle gespielt haben. Nach außen hatte sich Wellbrock selbstbewusst und locker gezeigt. Nichts deutete auf eine derart misslungene Vorstellung hin. Auch für die Beckenrennen unter dem Hallendach des Nambu University Municipal Aquatics Centers hegte Wellbrock große Erwartungen.

Schon früh fiel der 21-Jährige jedoch zurück. «Es war auf der ersten Bahn klar, es war bei der ersten Wende klar: Er ist überhaupt nicht reingekommen», sagte auch Berkhahn. Wellbrock habe «tief im Wasser» gelegen und nicht - so wie es sein sollte - «auf dem Wasser». Vorlaufschnellster war der Italiener Gregorio Paltrinieri, den Wellbrock im Hafenbecken von Yeosu noch geschlagen und ihm anschließend Tipps gegeben hatte. Der umstrittene Chinese Sun Yang erreichte den Endlauf geradeso als Achter.

Über die 1500 Meter Freistil wurden Wellbrocks Aussichten im WM-Vorfeld als besser eingestuft. Angesichts des großen Rückstands auf die 800-Meter-Konkurrenz und dem beträchtlichen Abstand zur Bestzeit müssen sich die Verantwortlichen jedoch um die Form ihres besten Schwimmers sorgen. «Wir müssen sehen, dass wir ihn jetzt klarkriegen», sagte Berkhahn. Wellbrocks Magdeburger Coach weiß jedoch auch: «Jetzt ist die Erwartungshaltung noch größer.» Schon am Samstag muss sich Wellbrock über seine Paradestrecke beweisen.

Für den vor allem dank der Freiwassersparte in Südkorea bislang erfolgreichen DSV bedeutet das Wellbrock-Aus einen schweren Dämpfer. Mit zweimal Gold, einmal Silber und zweimal Bronze hatte das Team von Bundestrainer Stefan Lurz eine nahezu perfekte WM-Vorstellung abgeliefert. Die Wasserspringer steuerten einmal Bronze bei.

Bei den Beckenschwimmern hat Sarah Köhler über 1500 Meter Freistil nach ihrem deutschen Rekord vom Vortag eine gute Chance - zumal die amerikanische Favoritin Katie Ledecky die Strecke aus gesundheitlichen Gründen auslässt.

Klippenspringerin Iris Schmidbauer hat erwartungsgemäß nicht mehr in den Kampf um die Medaillen eingreifen können. Nach Rang elf zur Halbzeit des Wettbewerbs aus 20 Metern Höhe verbesserte sich die 24-Jährige aber mit einer Höchstschwierigkeit in den finalen Durchgängen noch auf Platz acht. Mit 233,55 Punkten fehlten rund 60 Zähler auf die Medaillenränge. Die australische Favoritin Rhiannan Iffland verteidigte ihren Titel von 2017 erfolgreich.

Im vierten und entscheidenden Durchgang zeigte Schmidbauer den Sprung mit dem höchsten Schwierigkeitsgrad: Den dreifachen Salto rückwärts mit Doppelschraube. Diesen hatte sie erst kürzlich in ihr Wettkampfprogramm aufgenommen. Seit 2013 ist das High Diving, so die offizielle Bezeichnung, bei der WM dabei. Damals gewann Anna Bader Bronze. Olympisch ist der Wettbewerb nicht.