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Philipp Bernstein
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Serie [Biographisch, Sex, Drama]

Pam & Tommy

Pam und Tommy fliehen vor Journalisten

Disney+ 
Eine Staffel, 8 Folgen
Biographisch, Sex, Drama 

Großartige Schauspieler, eine spannende Story und ein mitreißender Soundtrack. Auf den ersten Blick wirkt Pam & Tommy wie die perfekte Serie zum durchbingen. Warum die Serie trotzdem gemischte Gefühle hervorruft und nachdenklich stimmt, darum geht es in diesem Streaming-Tipp.

Die Geschichte eines verhängnisvollen Sex-Tapes

Die Hulu-Serie erzählt die wahre Geschichte von Pamela Anderson (Lily James) und dem Drummer Tommy Lee (Sebastian Stan), deren selbstgedrehtes Sex-Tape in den 1990ern gestohlen und veröffentlicht wurde. Die acht Folgen der Serie begleiten den Kampf des Paares darum, das Tape zurückzubekommen, während es bereits von diversen Aktueren auf der ganze Welt verbreitet wird. Die 90er sind hier nicht nur Mode, Musik und Popkultur: auch das Internet hält endgültig Einzug in den Alltag und sorgt dafür, dass bald jeder von dem pikanten Video weiß. Die Erzählung bleibt eng an ihren Protagonisten - an Pamela Anderson, die sowohl persönlich, als auch beruflich extrem unter dem Skandal leidet, genauso wie an dem Klempner Rand und dessen Beweggründen, das Tape überhaupt erst zu entwenden und zu veröffentlichen.

Pam und Tommy liegen gemeinsam auf dem Teppich in ihrem Wohnzimmer
Photo by: Erin Simkin / Hulu, Copyright: Disney+

Eine Zeitreise in die Neunziger 

Die Serie ist ein wahres Flashback. Mode, Musik, Kulisse: hier passt einfach alles. Vor allem der Soundtrack von Pam & Tommy macht es unmöglich, still zu sitzen. Die drei Hauptdarsteller der Serie sind on fire: Lily James ist als Pam kaum wiederzuerkennen, Sebastian Stan macht eine wahre Typveränderung durch und Seth Rogen beweist, dass er viel mehr drauf hat, als die Rolle des lustigen Sidekick. Ihr FSK16-Rating und die anfängliche Content-Warnung trägt die Serie allerdings nicht umsonst: die Handlung dreht sich vor allem um das eine. Die Porno-Industrie, Sex-Tapes und sprechende Geschlechtsteile... die Zuschauer erwartet ein unzensierter, plakativer Mix aus all diesen Tabu-Themen.

Handwerker Rand (Seth Rogen) bekommt von einer Freundin einen Wangenkuss
Photo by: Erin Simkin / Hulu, Copyright: Disney+

Der Haken an der Sache...

...findet sich leider, sobald man die Produktionsumstände der Serie recherchiert. Pamela Anderson hat nämlich weder ihre Zustimmung für die Serie gegeben, noch war sie an der Produktion beteiligt. Man könnte vermuten, dass sie die Rechte an der Story für ihre eigene Doku, die bald erscheint, bewahren will. Trotzdem bekommt die Serie automatisch einen bitteren Beigeschmack. Immerhin erzählt sie acht Folgen lang von der Tortur, die Kontrolle über die eigene Privatsphäre zu verlieren - und sie tut das, indem sie Pamela Anderson die Kontrolle über ihre eigene Privatsphäre entzieht. Sogar der Inhalt des Sex-Tapes wird von den Hauptdarstellern nachgespielt, die dann in der nächsten Szene wieder zeigen sollen, wie furchtbar und ungerecht die Presse das Thema ausgeschlachtet hat. Am Ende des Tages stellt sich die Frage, wieso die Serie die Geschichte nicht fiktionalisiert hat - dann würde die Message ehrlicher und effektiver nachwirken. So kann man Pam & Tommy leider nicht völlig unbeschwert genießen, egal, wie gut die Serie gemacht ist.

Fazit: Eingeschränkte Binge-Empfehlung. Eine sehr plakative, mitreißende Erzählung, deren Produktionsumstände leider einen bitteren Nachgeschmack zurücklassen.


Unsere Serien- und Film-Expertin

Hannah Schürkamp (22) - Film-Enthusiastin & Studentin (Geschichte, Englisch)

Hannah Schürkamp sitzt auf einem Sofa und schaut zur Seite
Foto: Sebastian Schütte

Nach zwei Semestern Medien-Studium habe ich mich schlussendlich dagegen entschieden, beruflich am Set zu arbeiten - meine Begeisterung für Filme und Serien hat dadurch jedoch nicht abgenommen. Egal welches Genre, ob Streaming, Kino oder DVD, Hollywood-Klassiker oder Low Budget-Produktion: sowohl gute als auch weniger gute Filme schaue und diskutiere ich unvoreingenommen und mit viel Liebe für die Sache.

Über Anregungen und Kommentare freue ich mich!