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Oliver Behrendt
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Film [Geschichte, Kriegsdrama]

1917

Stacheldraht mit Aufschrift "1917"

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Geschichte, Kriegsdrama

Kein anderes Geschichtsereignis hat nachträglich wohl so viel mediale Aufmerksamkeit bekommen wie die beiden Weltkriege. Kein Wunder also, dass jeder neue Streifen sich etwas Neues einfallen lässt, um aus der Menge an Content herauszustechen: und 1917 greift dafür besonders tief in die Trickkiste.

Eine gewöhnliche Story in besonderer Aufmachung

Die Geschichte, die Regisseur Sam Mendes erzählt, wirkt erst einmal nicht besonders außergewöhnlich. Die beiden britischen Soldaten Will und Tom erhalten an der Westfront in Frankreich den Auftrag, eine wichtige Nachricht an ihren Colonel zu überbringen. Diese soll verhindern, dass der Colonel seine Truppen in einen Hinterhalt der Deutschen führt und damit das Leben seiner Soldaten riskiert. Die beiden Protagonisten machen sich sofort auf den Weg und durchqueren dabei das umkämpfte Grenzgebiet zwischen den Deutschen und den Briten. Und dabei ist es nicht nur die atmosphärische, detaillierte Ausstattung, die einen mit auf eine Reise ins Jahr 1917 nimmt.

Ein raffinierter Kameratrick

Das Besondere an 1917 ist ein aufwendiges, technisches Detail: der ganze Film wird in einem einzigen Shot erzählt. Das heißt: keine Schnitte, keine Perspektiven, keine Zeitsprünge. Wir folgen den beiden Soldaten in einer kohärenten Kamerafahrt, und diese hält ganze zwei Stunden an. Abgesehen von einem kleinen Cut in der Mitte bemerkt man so gut wie nie, an welchen Stellen die Macher des Films einen Schnitt platzieren - die Illusion der Echtzeit hält sich somit durch den ganzen Film und bringt seinen Zuschauern das Geschehen auf eindringliche Art und Weise nahe. Der Aufwand, der hinter dieser Art der Produktion steht, raubt einem immer wieder den Atem. Es sind nicht nur die eindrucksvollen Bilder, die uns Hollywood-Kameramann Roger Deakins präsentiert. Auch Requisite, Ton und Drehorte tragen dazu bei, dass man sich für zwei Stunden völlig in einem anderen Jahr verliert und die Schrecken des ersten Weltkrieges hautnah miterlebt.

Gemischte Kritiken

Obwohl sich so gut wie alle einig sind, wie beeindruckend der Aufwand ist, der hinter 1917 steht, so kann sich längst nicht jeder mit der Stil-Entscheidung anfreunden. Nicht selten klang die Kritik an, dass der Film eher wie die Cut-Scene eines Videospiels wirke, oder dass der Effekt des One-Shots zu sehr von der Story ablenke. Am Ende muss wahrscheinlich jeder für sich selbst entscheiden, ob der Film funktioniert oder nicht: mich hat er jedenfalls auf eine fesselnde, schockierende Reise mitgenommen und zwei Stunden lang im Bann gehalten. Und wer durchhält, der wird belohnt: immer wieder gibt es unerwartete Kurzauftritte von Stars und Sternchen in kleinen Nebenrollen. Also Augen auf, es lohnt sich!

Fazit:  4/5 unerwartete Benedict Cumberbatch Cameos. Ein Film, der mit seiner Kameratechnik steht und fällt - in jedem Fall ein beeindruckendes Kunstwerk. 


Unsere Serien- und Film-Expertin

Hannah Schürkamp (22) - Film-Enthusiastin & Studentin (Geschichte, Englisch)

Hannah Schürkamp sitzt auf einem Sofa und schaut zur Seite
Foto: Sebastian Schütte

Nach zwei Semestern Medien-Studium habe ich mich schlussendlich dagegen entschieden, beruflich am Set zu arbeiten - meine Begeisterung für Filme und Serien hat dadurch jedoch nicht abgenommen. Egal welches Genre, ob Streaming, Kino oder DVD, Hollywood-Klassiker oder Low Budget-Produktion: sowohl gute als auch weniger gute Filme schaue und diskutiere ich unvoreingenommen und mit viel Liebe für die Sache.

Über Anregungen und Kommentare freue ich mich!