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Philipp Fleiter
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«Rambo: Last Blood»: Stallone kehrt zurück

Blutlachen, die Tarantino zahm aussehen lassen, bleihaltige Kämpfe im mexikanisch-amerikanischen Grenzgebiet und mittendrin ein John Rambo, wie ihn sich beinharte Fans wohl

Action-Ikone

Berlin (dpa) - Rocky und Rambo. Zwei Action-Ikonen, fest und vielleicht für alle Zeit verbunden mit einem Darstellernamen: Sylvester Stallone. Sowohl in den bisher acht Filmen rund um Boxer Rocky Balboa, als auch in den bisher vier Filmen mit John Rambo, dem Vietnamveteran und mustergültigen Einzelkämpfer, stand der Amerikaner vor der Kamera.

Der 1946 in New York City als Michael Sylvester Gardenzio Stallone geborene Schauspieler prägte das Actionkino, vor allem der 1980er, wie nur wenige andere. Erst im Januar dieses Jahres schlüpfte er für «Creed 2» erneut in die Rolle des Rocky Balboa. Dass nun auch noch - nach über zehnjähriger Wartezeit - ein neuer «Rambo» startet, macht 2019 zu einem Festjahr für «Sly»-Anhänger.

Stallones erster Einsatz als Rambo liegt 37 Jahre zurück: Da bekam es der Vietnamheimkehrer mit einem fiesen Kleinstadtsheriff zu tun. Drei weitere Filme folgten, darunter, zuletzt «Rambo» von 2008. In «Rambo: Last Blood» lebt Vietnam-Veteran John Rambo nun schon seit Jahren zurückgezogen auf einer Ranch im Südwesten der Vereinigten Staaten. Auf diesem Anwesen, das einst seinem Vater gehörte, kümmert er sich nicht nur um die von ihm eingerittenen Warmblüter, sondern auch um die junge Gabrielle (durchaus stark: Yvette Monreal).

Als Gabrielle, die bald studieren möchte, in Mexiko nach ihrem Vater sucht, wird sie von gewissenlosen Menschenhändlern entführt. Das Kartell der Brüder Hugo und Victor Martínez kennt kein Mitleid, keine Gnade. Im Nu findet die Nachricht von der Entführung ihren Weg bis nach Arizona, sofort ist John Rambo außer sich. Liebt er doch die hübsche Gabrielle wie seine eigene Tochter. Es ist daher nur eine Frage der Zeit, bis sie fallen, die unvermeidlichen Worte, in für Stallone typischer Manier mehr gemurmelt als gesprochen: «Ich will Rache!». Aber auch Rambo ist nicht unverwundbar, und so wird er, kaum in Mexiko, erst einmal mit aller Gewalt darauf hingewiesen, dass sich das Brüderpaar Martínez ungern ins dreckige Handwerk pfuschen lässt.

Sylvester Stallone, der vor unglaublichen 50 Jahren einen seiner allerersten Kinomomente hatte im mit Robert Redford besetzten Sportdrama «Downhill Racer», der heute 73 Jahre auf seinem Buckel hat - dieser Stallone macht auch diesmal seine Sache recht ordentlich. Zu den großen Schauspielvirtuosen hat man «Sly» nie ganz zählen dürfen; auch diesmal aber wirft er seinen, von ach so vielen Trainingseinheiten, von unzähligen Einsätzen in Action-Werken gestählten, zugleich versehrten Körper in die Waagschale.

Das ledrige, das schrundige Gesicht des italienischstämmigen Amerikaners spricht Bände. Der sich wankenden Schrittes durchs Bild bewegende Stallone erinnert an einen trunkenen, einen betagten Elefanten. Einen Elefanten indes, der sich, als Ersatzvater, rührend kümmert um die ihm anvertraute Gabrielle. Der dieser in einer der wenigen mit Humor angereicherten Szenen ein selbst geschmiedetes Messer mit den Worten überreicht, sie könne dies doch als Brieföffner nutzen. Woraufhin Gabrielle dem Verdatterten erklärt, dass es sich bei dieser Kommunikationsart doch um eine längst ausgestorbene handelt.

Zwar ist schon der Schauplatz des Films, das amerikanisch-mexikanische Grenzgebiet, politisch aufgeladen. Der fünfte «Rambo» indes verspielt die Chance, aus dieser höchst brisanten Konstellation mehr als ein paar Action-Funken zu schlagen. Stattdessen wird das Geschehen immer blutiger: gespaltene und geköpfte Schädel, riesige Blutlachen und ein Finale, in dem sich Rambo noch mal so richtig austoben darf. Die Gewalt nimmt schließlich splatter- und comicartige Formen an. Dadurch bietet sich «Rambo: Last Blood» als Alternative an für all jene Quentin-Tarantino-Fans, denen «Once Upon a Time... in Hollywood» zu unblutig geraten ist.

Am schönsten schließlich, am stimmigsten sind die Bilder, die uns Regisseur Adrian Grunberg ganz zum Schluss, unmittelbar vor dem Abspann, schenkt: Impressionen aus den vorherigen vier «Rambo»-Filmen, die noch einmal untermalen, welch langen, welch steinigen Weg John Rambo hat zurücklegen müssen. Szenen, die Fans mit wohligen Nostalgie-Schauern in die Nacht entlassen. Bilder, die nahe legen, dass John Rambo nun endlich das hat finden können, wonach er so lange suchte: Frieden.