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Drei Typen, drei Akkorde: ZZ Top feiern 50-jähriges Bestehen

Mit langen Bärten, Hüten und Sonnenbrillen sind ZZ Top unverwechselbar. Ihren Sound haben die US-Amerikaner mehrfach verändert, in den 80er Jahren mit besonders großem Erfolg.

Jubiläum

London (dpa) - Sollten sich ZZ Top eines Tages zur Rasur entschließen, wird sie außer ihrer Familie und engen Freunden womöglich niemand mehr erkennen.

Die langen Bärte gehören längst genauso zu der Kultband, die in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiert, wie die markanten Gitarrenriffs. Das gilt zumindest für Gitarrist Billy Gibbons und Bassist Dusty Hill. Schlagzeuger Frank Beard - ausgerechnet der, der den Bart schon im Namen trägt - mag die Haare im Gesicht lieber kurz.

«Manche Leute tragen falsche Bärte zur Tarnung, das konnten wir leider nicht», scherzte Dusty Hill vor einiger Zeit im Interview des Musikmagazins «Classic Rock». «Wo ich hinging, zog ich sofort eine Menschenmenge an.» Bis «That Little Ol` Band From Texas» (die kleine alte Band aus Texas), wie sich ZZ Top selbst bezeichnen, so berühmt wurde, dauerte es allerdings eine Weile.

ZZ Top werden im Sommer 1969 in Houston/Texas gegründet. «Wir waren drei Typen, hatten drei Akkorde, und die Zukunft stand weit offen», erinnert sich Gibbons im britischen «Music Radar». 1971 erscheint das Debüt. «Wir haben die Platte «ZZ Top`s First Album» genannt, damit jeder weiß, dass da noch mehr kommen.» Bislang hat das Trio 15 Studio- und mehrere Livealben veröffentlicht.

Der kommerzielle Durchbruch gelingt 1973 mit «Tres Hombres». Das dritte Studioalbum gilt heute als Klassiker. «Wir haben gemerkt, dass wir etwas Besonderes hatten», so Gibbons. «Die Platte wurde ein echter Wendepunkt für uns.» Kerniger Bluesrock wie «Jesus Just Left Chicago» und «Beer Drinkers & Hell Raisers» oder der Boogie «La Grange» mit dem markanten «a-how-how-how-how», das von Blues-Legende John Lee Hooker stammt, sind bis heute fester Bestandteil jeder Show von ZZ Top.

Sechs Alben veröffentlichen Gibbons, Hill und Beard allein in den 70ern. In Deutschland geben sie damals vereinzelte Auftritte, in den USA absolvieren sie von 1976 bis 1977 die riesige «World Wide Texas Tour» mit fast 100 Konzerten. Der größte Wendepunkt ihrer Karriere kommt aber mit dem neuen Jahrzehnt, als Gibbons erstmals mit einem damals brandneuen Fairlight Synthesizer experimentiert.

«Wir hatten keinen Lehrer oder Mentor, wir hatten nicht mal eine Anleitung», erzählt der Gitarrist und Sänger im Magazin «Classic Rock». «Ich hab` einfach nur Knöpfe gedrückt und dann etwas entdeckt, das irgendwie trashig klang.» Nach ersten elektronischen Experimenten auf dem nur mäßig erfolgreichen «El Loco» (1981) schaffen ZZ Top zwei Jahre später einen Meilenstein - der allerdings nicht jedem gefällt.

Mit Synthesizern, Drumcomputern und Sequenzern frischen sie ihren Rock-Sound auf, erfinden sich neu und veröffentlichen 1983 das kraftvolle und pulsierende «Eliminator». Hartgesottene Blues-Fans werfen der Gruppe Verrat vor. «Wir haben richtig was zu hören bekommen, weil wir unseren klassischen Sound verlassen haben», erzählt Hill. Doch die Verkaufszahlen geben ihnen Recht. «Eliminator» ist bis heute ihr kommerziell erfolgreichstes Album.

Mit den Singles «Gimme All Your Lovin`», «Sharp Dressed Man» und «Legs» stürmen sie die Charts - auch dank MTV. Dort laufen die coolen, quietschbunten Musikvideos, in denen ZZ Top neben Supermodels und einem aufgemotzten roten 1933er Ford Coupé posieren, rauf und runter. Neben Michael Jackson und Madonna werden die Mitglieder der «kleinen alten Band», die damals Anfang 30 sind, zu alterslosen Popikonen. Der Look und die Posen sind bis heute ihr Markenzeichen.

Musikalisch kehren ZZ Top in den 90ern wieder zu ihren Wurzeln zurück, zum traditionelleren Blues-Rock. Bei ihren Konzerten, die meist nur 90 Minuten dauern, dürfen die populären 80er-Jahre-Hits aber nicht fehlen. «Wenn wir diese Songs nicht spielen, hängt man uns wahrscheinlich an den Füßen auf», scherzt Beard. Dem breiten Grinsen nach zu urteilen, das Gibbons und Hill regelmäßig auf dem Gesicht haben, wenn das Intro von «Gimme All Your Lovin`» erklingt, freuen sich die Altrocker bis heute über den Glücksgriff von 1983.

Ihr bislang letztes Studioalbum veröffentlichen ZZ Top 2012. «La Futura» gefiel Fans und Kritikern. Gut möglich, dass es das letzte war. Abseits der regelmäßigen Welttourneen, die das Trio immer noch absolviert, nahm Gibbons zuletzt lieber Soloalben auf. Zum Jubiläum bringt die Band jetzt die Zusammenstellung «Goin` 50» mit 50 alten Tracks heraus. Dazu hatte in dieser Woche ein Dokumentarfilm über ZZ Top Premiere. Der Titel, na klar: «That Little Ol` Band From Texas».