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Monika Olszewski
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Das große Gerhard-Richter-Sommertheater

Wer bekommt Gerhard Richters Gemälde-Schatz? In Köln hatte man die Idee, ein eigenes Museum zu bauen. Doch der Künstler winkt ab.

Museum? Nein danke!

Köln (dpa) - Gerhard Richter und Fritz Schramma sind zwei denkbar unterschiedliche Typen. Richter ist ein stiller, zurückhaltender Mensch, der nichts so sehr hasst, wie im Blickpunkt der Öffentlichkeit zu stehen.

Fritz Schramma ist ein Kölner, wie er im Buche steht: redselig, jovial und mit einem klassischen kölschen Schnäuzer ausgestattet. Gleichwohl sind die beiden Männer per Du. Denn als Schramma noch Oberbürgermeister von Köln war, hat er mit dafür gesorgt, dass Richter zum Ehrenbürger seiner Wahlheimat ernannt wurde.

Diese Woche nun hat Schramma ein großes kulturelles Sommertheater aufgeführt, das seinem Duzfreund überhaupt nicht gefallen hat, weil es für ihn zur Unzeit kam. Schramma ging damit an die Öffentlichkeit, dass Köln jetzt dringend ein Gerhard-Richter-Museum auf die Beine stellen müsse. Damit könne die Stadt am Rhein weltweite Aufmerksamkeit erzielen. Als Richter auf Nachfrage andeutete, dass ihm ein eigenes Museum eigentlich gar nicht so zusage, ging Schramma darüber hinweg: Das sei nicht als Absage zu verstehen, das sei Richters Naturell, argumentierte der 71 Jahre alte CDU-Mann.

Am Freitag folgte deshalb nun ein noch klareres Dementi: «Ich will kein eigenes Museum», sagte Richter der Deutschen Presse-Agentur. Seine Position sei endgültig und hänge nicht etwa davon ab, welches Konzept ihm die Stadt gegebenenfalls noch präsentiere. Er halte ganz allgemein nichts von einem eigenen Museum.

Die Gemälde, die er selbst besitzt, will Richter an bestehende Museen verteilen. Er hat aber noch nicht endgültig entschieden, welche das sein werden. Das Interesse ist natürlich groß - denn Richter ist der höchstdotierte lebende Maler der Welt. An seinem bleibenden Rang in der Kunstgeschichte zweifelt kaum jemand. Richter gilt als derjenige, der die schon fast totgesagte Malerei in den 60er Jahren neu erfunden hat.

Einige Werke will er seiner Geburtsstadt Dresden geben, in der das Gerhard-Richter-Archiv ansässig ist. Für Dresden hegt er nach wie vor Sympathien, auch wenn er den Sächsischen Verdienstorden einst ablehnte. Das hatte aber nur damit zu tun, dass er die Auszeichnung nach eigenem Empfinden gar nicht verdiente - weil er ja nichts für Sachsen getan habe. Was manche wohl anders sehen dürften, zumal man ihm seine sächsische Herkunft immer noch anhört.

Im übrigen erwägt Richter, einen Teil seiner Gemälde in das geplante Museum der Moderne nach Berlin zu geben. Um darüber zu sprechen, werde ihn Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) übernächste Woche in Köln besuchen, erzählt er. Als Zusage für Berlin möchte er das ausdrücklich noch nicht verstanden wissen. «Das ist aber noch ein bisschen in der Schwebe, das Ganze. Wir haben ja auch noch Zeit.» Das Museum soll erst Mitte der 2020er Jahre öffnen, es ist noch nicht mal der erste Spatenstich erfolgt. Die Entscheidung für Berlin wäre durchaus nachvollziehbar: Seinen Werken wäre dort größtmögliche Aufmerksamkeit sicher. Das Museum in der Nähe des Potsdamer Platzes soll die hochkarätige Berliner Sammlung von Kunst des 20. Jahrhunderts zeigen.

Und Köln, das arme Köln? Köln muss auch keine Tränen vergießen. Für seine Heimatstadt hat Richter das große Fenster im Dom geschaffen, sein populärstes Werk überhaupt. Und gleich daneben prunkt das Museum Ludwig mit dem Gemälde «Ema (Akt auf einer Treppe)». Die «Kölner Mona Lisa» hat den Schriftsteller Bernhard Schlink («Der Vorleser») sogar zu einem eigenen Roman inspiriert.

Selbst Fritz Schramma kann zufrieden sein. Ihn hat Richter für die Galerie der Oberbürgermeister im historischen Rathaus porträtiert - mit einem repräsentativen Foto. In seiner ganzen urkölschen Pracht mit Schnäuzer, Wohlstandsbäuchlein und Krawatte in den Stadtfarben Rot und Weiß hängt er da und wird dort auch noch hängen, wenn alle heute Lebenden längst unter der Erde liegen. Wie all die holländischen Bürger auf den Porträts von Rembrandt und Frans Hals hat sich der gewiefte Schramma ein Stück Unsterblichkeit gesichert.