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Hofer soll Strache als Chef der FPÖ beerben

Mitten im Wahlkampf ruft die FPÖ in Österreich zum Parteitag.

Parteitag in Graz

Graz (dpa) - Zwei Wochen vor der Nationalratswahl in Österreich wählt die rechte FPÖ auf ihrem Parteitag in Graz einen neuen Vorsitzenden.

Der designierte Parteichef Norbert Hofer soll mit der Wahl am Samstag auch offiziell zum Nachfolger von Heinz-Christian Strache an der Spitze der Rechtspopulisten werden. Strache war am 18. Mai nach der Veröffentlichung des «Ibiza-Videos» als Vizekanzler und auch als Parteichef zurückgetreten.

Hofer gilt als das freundliche Gesicht der Partei und stellte damit in den vergangenen Jahren einen Gegenpol zu Akteuren wie Strache oder Ex-Innenminister Herbert Kickl dar. Beobachter der österreichischen Politik bezweifeln aber, dass die FPÖ mit ihm an der Spitze eine grundsätzlich gemäßigtere Haltung annehmen wird - vor allem für den Fall, dass die FPÖ nach der Wahl in die Opposition gehen sollte. «Dann wird Hofer vermutlich auch wieder schärfere Töne anschlagen», sagt etwa Politologin Kathrin Stainer-Hämmerle.

Spannend wird zudem sein, wie viele Delegierte Hofer ihre Stimme geben. Der 48-Jährige, der bei der Bundespräsidentenwahl 2016 gegen Amtsinhaber Alexander Van der Bellen nur knapp das Nachsehen hatte, kann die Partei nach Ansicht von Experten nicht so geschlossen hinter sich wissen wie Strache oder Kickl. «Herbert Kickl hat die klar besseren Kontakte zur Fraktion und zu den Funktionären. Kickl ist nach innen in der FPÖ die integrativere Person», sagt Stainer-Hämmerle. Im Wahlkampf bildeten Hofer und Kickl zuletzt eine Art Doppelspitze: Auf der einen Seite der smarte und verbindliche Hofer, auf der anderen Seite der deutlich lautere und polarisierende Ex-Innenminister.

Die Wahl des neuen FPÖ-Vorsitzenden ist nötig, weil Strache nach der Veröffentlichung des «Ibiza-Videos» durch «Süddeutsche Zeitung» und «Spiegel» als Parteichef und Vizekanzler zurückgetreten war. Das im Sommer 2017 heimlich aufgenommene Video zeigt ein Gespräch von Strache mit einer angeblichen russischen Oligarchen-Nichte. Strache stellte der Frau dabei wirtschaftliche Vorteile im Gegenzug für Spenden an die FPÖ in Aussicht. Nach Straches Rücktritt brach die gesamte ÖVP-FPÖ-Koalition zusammen. Am 29. September finden in der Alpenrepublik Neuwahlen statt.