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Fall Timoschenko: Wieviel Politik verträgt der Sport?

Radio Gütersloh-Kommentar vom 6. Mai 2012:
Noch gut einen Monat dann startet die Fußball- Europameisterschaft der Männer, aber aktuell sprechen alle nur über eine Frau: Julia Timoschenko. Seit Oktober sitzt die ehemalige ukrainische Regierungschefin jetzt in Haft - wegen angeblich krummer Gasgeschäfte. Wie sie während des Prozesses behandelt wurde und jetzt immer noch behandelt wird, lässt die ganze Welt Kommentare abgeben. Es reicht bis zum Boykottaufruf der EM in der Ukraine. Radio Gütersloh-Kollegin Monika Olszewski boykottiert den Boykott und kommentiert jetzt auch:
Irgendwie kommt die aktuelle Situation dem Turnier so gelegen, wie Blitz und Donner zum Eröffnungsspiel. Aber, wie viel Politik verträgt der Sport?! Denn, schauen wir uns doch mal an, was da passiert: Ein sportliches Großereignis, das seit Jahren unter großen Anstrengungen und mit viel Geld vorbereitet wird, soll jetzt aufgrund von politischen, nennen wir es mal Unstimmigkeiten oder Ereignissen, boykottiert werden. 27 EU-Kommissare sagen ihre Reise in die Ukraine zur EM ab. Die Tschechen ebenfalls, denen bleibt aber nichts anderes übrig, schließlich haben sie Timoschenkos Ehemann politisches Asyl gewährt. Österreich boykottiert, hat sich für die EM aber gar nicht qualifiziert und Angela Merkel überlegt sich ihre Absage noch. Politisch alles vollkommen korrekt, wenn es um die Diskussion zur Einhaltung der Menschenrechte in dem Land geht. Aber, ein genereller sportlicher Boykott des wichtigsten europäischen Fußballturniers?!
Wem schadet es und hätte Fräulein Timoschenko das gewollt? Zum einen steht bei der ganzen Geschichte das Mitgastgeberland Polen im Abseits. Es lässt sich nicht verleugnen: Das Turnier hat schon im Vorhinein erheblichen Imageschaden genommen. Zum anderen schadet es dem ukrainischen Volk. Auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht nicht so aussieht. Während sich die ganze Welt das Maul zerreißt, scheint die Glaubwürdigkeit Timoschenkos im eigenen Land ordentlich geschwunden zu sein. Was also sagt der Otto-Normal-Ukrainer Valeri Gergi zu der ganzen Debatte, der sich seit längerem auf die EM im eigenen Land freut, vielleicht auch schon seit längerem auf eine Eintrittskarte spart?! Es wäre ein Fehler die EM sportlich zu boykottieren. Denn nur mit Hilfe der Zuschauer und Medien kann doch auf die politische Inkorrektheit hingewiesen werden. Die Situation der Ukraine ist allerdings nicht erst seit gestern bekannt. Und wo wir gerade schon die ganze Zeit über Menschenrechte sprechen: Wieso gibt es keinen Boykott gegen den Eurovision Song Contest in Baku/Aserbaidschan? Und die Formel Eins hat vor Bahrain auch nicht gebremst. Timoschenko hat Einfluss und ihre PR-Maschinerie, die übrigens in London sitzt und ihr Ikonenimage seit einiger Zeit aufrecht erhält, hat zur richtigen Zeit ganze Arbeit geleistet. Ich finde es fragwürdig den Fußball vor den Karren zu spannen. Hier ist nur Politik gefragt und nicht der Sport als Instrument.
Warum tut man sich den Hermannslauf an?

Radio Gütersloh-Kommentar vom 29. April 2011:
Heute ist mal wieder Hermannslauf. Eine Karawane mit 7.000 Läufern und Walkern zieht wieder mal vom Hermannsdenkmal bis zur Sparrenburg in Bielefeld. Um Punkt 11 Uhr geht’s auf die 31 Kilometer lange Strecke durch den Teutoburger Wald. Mein Kollege Helmut Delker ist zum neunten Mal dabei. In seinem Kommentar der Woche sucht er eine Antwort die Frage, warum tut man sich diese Tortur eigentlich an?
Also ehrlich gesagt, es wäre schöner noch ein paar Stunden im Bett zu bleiben. Stattdessen rappelt am Sonntag um 7 der Wecker. Man steht trotzdem auf. Und wenn nach 20 Kilometern die Beine schwer werden und die Muskeln schmerzen, wäre es schöner stehen zu bleiben und sich auszuruhen. Man läuft trotzdem weiter. So ist das beim Hermannslauf und nicht nur dort. Laufen ist mehr als die Rennerei von A nach B. Laufen ist eine Lebenseinstellung. Sie hilft fit zu bleiben und sie ist ein Ausgleich für den Stress des Alltags. Trotzdem ist es schwer, sich Woche für Woche zu motivieren. Um das zu schaffen, braucht man ein Ziel. Gerade weil er so schwer ist, ist der Hermannslauf eine tolle Herausforderung. Die 31 Kilometer bis zur Sparrenburg sind hart, doch umso schöner ist das Ziel. Auf den letzten Metern sorgen tausende Zuschauer für Gänsehaut. Für Jeden, der ins Ziel kommt, ist es ein ganz persönlicher Sieg. Das motiviert für den nächsten Hermannslauf, für die nächste Herausforderung und vor allem für das wöchentliche Training. Denn ohne Ziel ist es schwer, den inneren Schweinehund zu besiegen. Dafür sind wir Menschen zu faul.
Wie über Breivik berichten?

Radio Gütersloh-Kommentar vom 22. April 2012:
Auf den Tag genau acht Monate ist es her, seit der Attentäter Anders Breivik in Norwegen 77 Menschen umgebracht hat. Am Montag hat der Prozess gegen ihn angefangen. Am Thema Breivik kommt diese Woche keiner vorbei – auch wir nicht. Der Radio Gütersloh-Kommentar der Woche von Christopher Kulling:
Für uns Medienschaffende ist der Fall Breivik ein echtes Dilemma. Einerseits gibt es da ein berechtigtes öffentliches Interesse. Das heißt, wir müssen schlichtweg über den Fall berichten. Andererseits würden wir sehr viel lieber schweigen und uns weigern, Anders Breivik eine öffentliche Bühne zu bieten. Nur ist eine Berichterstattung ohne diese Bühne gar nicht möglich. In einem Gerichtsprozess müssen sich alle Seiten äußern dürfen – auch ein Anders Breivik. Juristisch ist das wichtig und richtig. Genauso wie es journalistisch wichtig und richtig ist, über den Prozess zu berichten. So wie ein Rechtsstaat ein faires Verfahren garantieren muss, müssen die Medien über die Motive des Angeklagten aufklären. Die alles entscheidende Frage dabei ist, wie sie das tun. Falsch sind Live-Übertragungen, Internetticker und Großaufnahmen. Diese stilisieren den Prozess zum Event. Sie machen den Angeklagten zum heldenhaften Hauptdarsteller seines eigenen kruden Kopfkinofilms. Richtig hingegen ist eine zwar ausführliche, aber schlichte Berichterstattung. Wir Medien müssen uns auf das Berichtenswerte konzentrieren – und berichtenswert ist im Fall Breivik beileibe nicht alles. Wir müssen also den Mut haben, auch mal etwas wegzuglassen.















