Sport-Provinz Gütersloh

Radio Gütersloh-Kommentar vom 27. November 2011:

Ist Gütersloh eine Sportstadt? Die Wassersportler kämpfen in Gütersloh für ein sportgerechtes Hallenbad. Aus Kostengründen soll der Neubau kleiner ausfallen als das jetzige Schwimmbad an der Herzebrocker Straße. Tausende Unterschriften wurden gesammelt. Wieder protestieren Sportler – wie schon beim Streit um eine Hallenbenutzungsgebühr. Der Kommentar der Woche von Helmut Delker befasst sich mit der Sportstadt Gütersloh…

Gütersloh ist Sport-Provinz! Die Stadt baut für 21 Millionen Euro ein neues Theater, 4,3 Millionen Euro für ein sportgerechtes Hallenbad sind dagegen schon zuviel. Damit will ich keine neue Theater-Debatte lostreten. Das Beispiel zeigt nur, welch geringen Stellenwert der Sport in Gütersloh hat. So ist der FSV Gütersloh in der 2. Frauenfußball-Bundesliga der einzige Sportverein in der Stadt, der auf nationaler Ebene eine Bedeutung hat. Ob Handball, Basketball, Volleyball oder Männerfußball – für den Rest reicht es bestenfalls zu höherem Amateur-Niveau. In der Sportstadt Paderborn gibt es eine große Sporthalle, ein neues Fußballstadion und ein Hallenbad mit 50-Meter-Bahn. In Gütersloh gibt es keine große Sporthalle, ein marodes Fußballstadion und in der Welle eine 25-Meter-Bahn und teure Eintrittspreise. Für Profisport fehlen schon die Voraussetzungen. In Gütersloh wird der Sport als Kostenfaktor und nicht als Standortfaktor gesehen. Die Stadt Gütersloh lebt das vor – und genauso zurückhaltend sind auch die Unternehmen. Dabei ist gerade die Gütersloher Wirtschaft stark genug für einen erfolgreichen Fußballverein oder einen höherklassigen Handballclub. Was fehlt, ist das Interesse. Schade.


Schulden: Weiter so ist nicht möglich

Der Radio Gütersloh Kommentar vom 20. November 2011:

Erst Griechenland, dann Italien und Spanien, jetzt Frankreich und bald kommt Deutschland an die Reihe. Wetten? Welches Land auch immer die so genannten Märkte ins Visier nehmen, es muss um seine Kreditwürdigkeit fürchten. Der Kommentar der Woche von Mario Alexander Unger:

Hinter diesen so genannten Märkten stecken sowohl Börsen, Spekulanten als auch Ratingagenturen. Letztere fallen immer wieder durch fatale Entscheidungen auf. Ich erinnere an den Fauxpas, die Kreditwürdigkeit Frankreichs grundlos herabzustufen. Selbst das Korrigieren des Fehlers half nichts, unsere Nachbarn büßten dauerhaft Bonität ein. Aber auch in der langfristigen Betrachtung stimmt die Einschätzung von Standard & Poors, Fitch, Moodys und wie sie alle heißen, nicht immer. Deshalb ist es umso unverständlicher, dass Banken dem Urteil dieser Ratingagenturen sklavisch vertrauen. Grade jetzt, wo Banken selbst unter der Schuldenkrise in Europa leiden und vor dem Abbau tausender Arbeitsplätze stehen, sollten sie sich lieber ein eigenes fundiertes Urteil über den Wert bestimmter Staatsanleihen bilden.  

Die Ratingagenturen erfüllen eine Aufgabe, die sich Banken und Investoren offenbar nicht mehr richtig zutrauen – das Einschätzen von Werten und Potentialen. Was im Kleinen noch wunderbar funktioniert, scheint im Großen nicht zu klappen. Wer einen privaten Kredit beantragt weiß, die Zinsrate hängt am Ende davon ab, wie viel Eigenkapital ich einbringe, welche Sicherheiten ich mitbringe und in welcher Rate ich bereit bin, den Kredit zu tilgen. So transparent ist das Urteil über die Kreditwürdigkeit von Staaten leider nicht.

Trotzdem kann ich der aktuellen Rolle der Ratingagenturen als Treiber durchaus etwas Positives abgewinnen. Endlich werden unsere Politiker dazu gezwungen, harte einschneidende und damit auf den ersten Blick unpopuläre Entscheidungen zu treffen. Auf den zweiten Blick sind diese Einschnitte aber das Beste, was uns passieren kann. Nicht nur wir, sondern vor allem die folgenden Generationen bekommen dadurch endlich wieder finanzielle Spielräume. Wir müssen damit beginnen die Schulden abzutragen, die unsere Vätergeneration angehäuft hat. Ein Weiter so ist nicht mehr möglich.


Porta-Eröffnung: Kläger haben nichts erreicht

Radio Gütersloh-Kommentar vom 13. November 2011:

Die unendliche Geschichte um den Bau des Porta-Möbelhauses geht bald zu Ende. In elf Tagen feiert der Möbelriese auf dem altem Pfleiderer-Gelände die Eröffnung seines neuen Marktes. Die Klagen von Rheda-Wiedenbrück und Bielefeld haben nicht verhindern können, dass der Bau rekordverdächtig schnell hochgezogen wurde. Der Radio Gütersloh-Kommentar von Helmut Delker:

Eigentlich müsste Porta den Städten Rheda-Wiedenbrück und Bielefeld dankbar sein. Der Dauerstreit um jeden Quadratmeter Verkaufsfläche ist die beste Werbung für das neue Möbelhaus. Längst ist der Porta-Markt ein Politikum. Ganz Gütersloh steht rückhaltlos hinter dem Projekt und selbst Rheda-Wiedenbrücker können die Klage ihrer eigenen Stadt nicht verstehen. Juristisch ist der Streit zwar noch nicht ganz ausgestanden, aber nach der letzten Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Münster befinden sich die Kläger auf dem Rückzug. Da ist es Zeit Tacheles zu reden: Rheda-Wiedenbrück und Bielefeld sind dabei den Streit krachend zu verlieren. Zu offensichtlich war der Versuch unliebsame Konkurrenz zu verhindern. Zu kleinlich war der Streit um jeden Quadratmeter. Beide haben diesen überflüssigen Streit angezettelt, dafür Geld verschwendet und in Gütersloh viel Porzellan zerschlagen. Erreicht haben sie nichts – nur viel Werbung für Porta.


Hallenbad: Eine Investition für Jahrzehnte

Radio Gütersloh-Kommentar vom 6. November 2011:

Gütersloher Bürger ärgern sich über die Hallenbadpläne der Stadtwerke. Ein neues Bad ohne Lehrschwimmbecken und Sprungturm gefährde den Sportbetrieb. Das glaubt ein neu gegründetes Aktionsbündnis aus Schwimm- und Sportvereinen. Matthias Traeger kommentiert:

Richtig so! Schwimmer wollen sich nicht gefallen lassen, dass das geplante Hallenbad auf dem Nordbadgelände in abgespeckter Version nicht nur Sportler einschränkt. Sie fragen: Wo soll Ihr Kind schwimmen lernen – für Schwimmkurse sind Sprungturm und Lehrschwimmbecken notwendig. Die Sportler fordern außerdem ein 25-Meter Becken mit fünf Bahnen, das für Wettkämpfe zugelassen ist. Unbestritten ist, dass das 50 Jahre alte Gütersloher Hallenbad an der Herzebrocker Straße ersetzt werden muss – die Renovierung würde mehr kosten als ein Neubau. Unbestritten ist auch, dass die Stadt nicht mit Geld um sich werfen kann. Die Stadtwerke müssen die Vorgaben der Politik aufnehmen und können nur die günstigere Variante für 3,7 Millionen Euro, eben ohne Extras vorschlagen. Doch Vorsicht: Gütersloh sollte nicht an der falschen Stelle sparen! Es ist besser, jetzt mehr Geld in eine ordentliche Anlage zu investieren, von der in den nächsten Jahrzehnten alle profitieren, als später für viel Geld nachzubessern. Die Entscheidung der Politiker können alle Gütersloher beeinflussen – ab morgen können Sie im Bürgerhaushalt im Internet darüber abstimmen!

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